Challenge #12

Neidisch? Mit diesen 5 Schritten machst du Neid zu deiner geheimen Superkraft

Foto: Privat

 

Wann hast du zum ersten Mal in deinem Leben Neid empfunden?

 

Im Kindergarten, als Paul-Leonhard sich den Frontlader mit integriertem Betonmischer und Fernsteuermodul gekrallt hat, während für dich nur das Holz-Xylophon übrigblieb? Im Ballett, als Dagmar-Dörte die Eisprinzessin tanzen durfte, während es für dich nur für die Schneeflocke gereicht hat? Oder als du festgestellt hast, dass sich Monika-Lauras Eltern viel seltener zoffen als deine?

 

Erschreckende Fakten über Neid

 

Ich bin erschrocken, als ich gelesen haben, dass das Neid-Monsterchen schon im Alter von 2-3 Jahren erstmals zubeißt. Und leider bleibt es von da an so zäh an uns kleben wie Kaugummi an der Schuhsohle. Tatsächlich gibt es sogar umso mehr Dinge, auf die wir neidisch sein können, je älter wir werden:

 

Da wäre zum Beispiel die umwerfende Figur von Hilde, die jetzt auch noch ihren Seelenpartner bei Tinder gefunden hat. Uwe, der sich nach seinem Master in Friesischer Philologie und Urbanem Freiraum-Management mit seinem Start-Up einen goldenen Hintern verdient. Das Yoga-Retreat, das sich die Müllers am Ende ihrer 8-monatigen Weltreise gönnen. Das brave Vorzeige-Kind von Gabi und Fred. Sogar der Autofahrer im Stau neben uns, der auf der anderen Spur viel schneller vorankommt als wir. 

 

Neid kennt keine Grenzen. Ja, es klingt echt hart und wir geben es nur ungern zu. Aber Neid ist tatsächlich allgegenwärtig und bahnt sich seinen Weg wie ein heimtückisches Virus bis in unser Allerheiligstes: Unsere Freundschaften, unsere Ehe, in die Beziehung zu unseren Geschwistern, Eltern und Kindern.

 

Und wie völkerkundliche Studien belegen, ist Neid kein deutsches Phänomen. Neidhammel gibt’s auf der ganzen weiten Welt. 

 

 

Warum sind wir neidisch?

 

Was hat es mit dem Neid auf sich? Warum sind wir solche Neid-Junkies, die regelmäßig in diesem Gefühl versumpfen?

 

Dazu müssen wir die Uhr der Menschheit weeeeiiiiiit zurückdrehen – in eine Zeit, als die Ressourcen begrenzt waren und es noch ums nackte Überleben ging. Für unsere Vorfahren war es wichtig, nicht nur viel zu haben, sondern mehr als die anderen. Nur so konnte man sich den besten Partner zur Fortpflanzung angeln, die Vorherrschaft in einer Gruppe gewinnen und damit seine Überlebenschancen steigern. Und dazu war es notwendig, sich ständig mit den anderen zu vergleichen.

 

Die Wurzel des Problems liegt also im Vergleich. Ohne Vergleich kein Neid.

 

Schön blöd, jetzt sitzen wir also Tausende, Millionen Jahre später mit diesem genetischen Überbleibsel da und plagen uns herum mit dem unangenehmen Gefühlscocktail aus Traurigkeit und Wut. Traurig über den Mangel, den wir erleiden. Wütend auf unsere eigene Unfähigkeit und auf die anderen, die scheinbar alles haben. Und erschaffen uns unser eigenes Unglück.

 

Wie kann man Neid überwinden?

 

Ich glaube, es gibt zwei Möglichkeiten, mit dem Neid-Monsterchen umzugehen.

 

Entweder wir schieben es wie bisher schön zur Seite, halten ihm das Mäulchen fest zu, während wir unserem Gegenüber weiterhin liebevoll ins Gesicht lügen, dass wir uns wirklich soooo über dessen rasanten und mühelosen Karriere-Sprung und die fette Gehaltserhöhung und den Firmenwagen freuen (ja wirklich jetzt… sooo sehr!!!) … während gleichzeitig in uns der seelische Schmerz und die quälende Frage aufflammt, womit DER das verdient hat und warum das uns nie passieren kann.

 

Oder wir machen das Neid-Monsterchen zu unserem Kumpel und verwandeln es in etwas Großartiges! In unsere geheime Superkraft!

 

(Und bitte versteh mich nicht falsch! Natürlich gibt es Momente, in denen wir uns wirklich aufrichtig für den anderen freuen! Aber wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass es nicht immer so ist.)

 

5 Schritte, Neid in Superkraft zu verwandeln

 

Hier ist nun also mein 5-stufiger Fahrplan in ein vielleicht nicht komplett neidfreies aber beneidenswertes Leben:

 

Schritt 1: Kein Fight mit dem Neid

Wenn ich in den Jahren meiner therapeutischen Ausbildung etwas gelernt habe, dann: Gefühle nie bekämpfen oder unterdrücken! Sie finden an anderer Stelle garantiert ein Schlupfloch, wo sie wieder an die Oberfläche kommen. Deshalb gilt auch für den Neid: Lass ihn da sein, wenn er schon mal da ist! Es ist, wie es ist. Fühl ihn, groove ihn! Er will dir was sagen! 

 

Schritt 2: Folge dem Neid, er ist dein Kompass

Neid zeigt dir glasklar, was du willst. Er ist ein Indiz für deine persönlichen Wünsche und Werte. Jemand, der keinen Wert auf Äußerlichkeiten legt, wird kaum neidisch auf den Sixpack des Nachbarn sein. Dagegen wird es ihn vielleicht wurmen, wenn der Nachbar endlich eine Traumfrau an seiner Seite hat. Neid offenbart dir, an welchen Stellen deine Wirklichkeit noch nicht mit deinen Wünschen übereinstimmt, welche Lebensbereiche also mehr Aufmerksamkeit brauchen. 

 

Schritt 3: Schau hinter die Fassade des Neids

Wenn du herausgefunden hast, auf was du neidisch bist, gehe noch einen Schritt weiter: WARUM genau bist du neidisch? Warum beneidest du deine Freundin um das Buch, das sie veröffentlicht hat? Ist es die Aufmerksamkeit, die sie dadurch bekommen hat? Ist es der Mut, den sie an den Tag gelegt hat? Willst du wirklich wie Martin einen Doktor-Titel und einen Beitrag zur Forschung leisten? Oder geht es hier um den Selbstwert, den dir der Titel gibt? Jag nicht blind den Lebensentwürfen anderer hinterher. Erforsche deine Bedürfnisse und finde Wege, sie auf deine Art zu befriedigen.

 

Zwischenstopp: Achtung, Filterfrage!

Hinter viel Geld steckt viel Arbeit, hinter einem stählernen Körper steckt Schweiß, hinter einem Leben als Star steckt ständige Beobachtung. Bist du wirklich bereit, die Zeit, Energie und Anstrengung aufzubringen, um das zu erreichen, was du an anderen beneidest? Wenn ja, gehe weiter zu Schritt 4. Falls nicht, brauchst du ab sofort nicht mehr neidisch sein. Du weißt, dass dir dein aktuelles Leben mit all der Freizeit, Privatsphäre etc. mehr wert ist als das, was die anderen haben. Und das ist toll! Sei dankbar für das, was du hast! Erinnere dich daran, wenn du vielleicht mal wieder eine royale Hochzeit im TV verfolgst und dir wünschst, du wärst diese wunderschöne Braut, die Prinz Harrys Hand streichelt und in der Kutsche sitzend elegant über den Asphalt zu schweben scheint. 😉  

 

Schritt 4: Geh in die Aktion

„The most effective way to do it, is to do it“ (Amelia Earhart). Sei dankbar für die Menschen, die dich neidisch gemacht haben. Denn sie haben dich angespornt und dir gezeigt, was möglich ist. Sie haben die Fackeln vorausgetragen, denen du jetzt nur noch folgen musst. Take action and make it real! 🙂

 

Schritt 5: Die Forschung sagt, du wirst es schaffen 

Hast du gewusst, dass wir vor allem das beneiden, was in unserer eigenen Reichweite, in unserem tatsächlichen Potentialbereich liegt?

In psychologischen Tests bei Studenten hat man herausgefunden, dass Studenten im ersten Semester die Fähigkeiten von Acht-Semestern nicht beneiden, während sie aber durchaus neidisch werden, wenn andere Studenten im ersten Semester besser sind als sie. Fähigkeiten, die du bei anderen beneidest, sind also oft ein Hinweis auf das tatsächliche Potential, das in dir schlummert und auf Entfaltung drängt! Also bleib dran, du wirst es schaffen!

 

Der Witz zum Schluss

 

Diesen Witz habe ich im Buch „Neidisch sind immer nur die anderen: Über die Unfähigkeit, zufrieden zu sein“ von Rolf Haubl gefunden. Wenn nichts anderes aus diesem Blogartikel in deinem Köpflein hängen bleibt – dieser Witz wird es tun. Denn er enthält die wichtigste Botschaft über Neid:

Geht ein Amerikaner mit seinem Freund die Straße entlang. Kommt ein großer Cadillac vorbei. Sagt der Amerikaner zu seinem Freund: So einen Wagen fahre ich auch noch mal! – Geht ein Deutscher mit seinem Freund die Straße entlang. Kommt ein großer BMW vorbei. Sagt der Deutsche zu seinem Freund: Der Typ geht auch noch mal zu Fuß!

 

Und so kommen wir zu…

 

Challenge #12:

Achte in den nächsten Wochen bewusst auf deine Neid-Momente. Ab sofort hast du die Wahl, wie du sie für dich nutzen willst: Destruktiv oder konstruktiv? Lässt du zu, dass dich der Neid ins Tal der Traurigkeit, Missgunst und Wut zieht oder spornt er dich an und wird zu deiner persönlichen Superkraft? 

 

Ich wünsche dir von Herzen, dass er dir Flügel verleiht! 🙂

 

Deine 

 

Stephanie

 

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Quellen:

  • Forleo, Marie: 3 Steps to Turn Envy into Your Secret Superpower. URL: https://www.marieforleo.com/2018/03/stop-being-jealous/ [letzter Zugriff: 27.05.2018]
  • Frantz, Annette: Neid bei Kindern. „Ich will das, was ich nicht hab“. In: Kizz – Das Elternmagazin für die Kitazeit. URL: https://www.kizz.de/erziehung/familienalltag/neid-bei-kindern-ich-will-das-was-ich-nicht-hab [letzter Zugriff: 27.05.2018]
  • Haubl, Rolf (2004): Neidisch sind immer nur die anderen: Über die Unfähigkeit, zufrieden zu sein. Verlag C.H.Beck.
  • Kupczik, Ingrid (2014): Was soll der Neid? In: www.apotheken-umschau.de. URL: https://www.apotheken-umschau.de/Neid [letzter Zugriff: 27.05.2018]
  • MyMonk: 3 Fragen, die Dich vom ständigen Vergleichen und quälenden Neid befreien. URL: https://mymonk.de/3-fragen-neid/ [letzter Zugriff: 27.05.2018]