Challenge #9

Diese Umgangsform unserer Vorfahren kann die Welt verbessern

Psychotherapie und Hypnose Roschanski Augsburg - Komplimente machen

Foto: VAKSMAN VOLODYMYR/Shutterstock.com

 

Um das 17. und 18. Jahrhundert gab es einen großen Trend, den ich cool finde: 

 

Das Komplimentieren.

 

Egal ob Pöbel oder Adel – in jeder Gesellschaftsschicht war es angesagt, andere mit Komplimenten zu umschmeicheln.

Je nach Bildung und Stand waren die Komplimente eher einfältig und nichts weiter als auswendig gelernte Floskeln oder aber sprachlich sehr kunstvoll ausgeschmückt, äußerst originell und sogar auf Französisch oder Italienisch vorgetragen.

Es gab Ratgeber-Bücher speziell für das richtige Komplimentieren. Und sogar bei der Erziehung der Kinder achtete man darauf, dass die Kleinen früh lernten, wie man andere richtig „becomplimentirt“, heißt es im Buch „Kommunikation, Macht, Bildung: Frauen im Kulturprozess der Frühen Neuzeit“ von Sabine Koloch.

Damals wäre ich voll auf meine Kosten gekommen. Ich bin nämlich ein Komplimente-Fan. Ich mache gerne Komplimente und – natüüürlich – bekomme ich auch selbst gerne eines. 😊 Die Rhetorikerin Gloria Beck sagt: 

 

„Ein Kompliment ist wie eine Praline. Sie versüßt das Leben und versetzt den anderen für einen Moment in Euphorie.“

 

Schöner kann man es nicht in Worte packen, oder?

 

Natürlich ist es fragwürdig, wie ehrlich die Komplimente damals gemeint waren. Sicher hatte der ein oder andere beim Komplimentieren Hintergedanken, weil er auf materielle oder sonstige Vorteile spekulierte.

Trotzdem finde ich es schade, dass wir die Komplimentier-Kunst unserer Vorfahren so haben verkümmern lassen. Deswegen will Challenge # 9 dich herausfordern, diese Kunst wieder aufblühen zu lassen und in Zukunft mehr verbale Pralinen zu verschenken. 😊

 

Warum die Welt Komplimente braucht

 

Komplimente kosten nichts. Trotzdem sind sie unendlich wertvoll und haben die Macht, die Welt zu verändern.

Denn:

1. Komplimente setzen positive Energie frei

Wer kennt das nicht: Der Tag ist super beknackt, alles läuft schief. Doch plötzlich fällt eine kleine Kompliment-Praline unerwartet vom Himmel. „Sie haben aber eine tolle Ausstrahlung“, „Das Oberteil steht dir ganz besonders gut“, „Du bist die beste Kollegin, die man sich wünschen kann“. Wow, für einen Moment steht die Zeit still und ein Schwall Glücksgefühle überschwemmt unseren Körper. Komplimente steigern das Wohlbefinden, den Selbstwert und können einem den Tag retten – und die Ehe. Denn wer tagsüber ein Kompliment hört, ist abends ein besser gelaunter Partner als ohne Kompliment.

 

2. Komplimente machen, macht glücklich
Lösen wir mit einem Kompliment bei einer anderen Person Freude aus, macht das auch uns selbst glücklich. Wir freuen uns, dass wir jemandem etwas Gutes tun konnten, was wiederum unser Selbstwertgefühl steigert, Glückshormone ausschüttet und gute Laune macht. Es lohnt sich also jeden Tag aufs Neue, einem anderen Menschen ein Kompliment zu machen.

 

3. Komplimente halten das Gute am Laufen
„Von einem guten Kompliment kann ich zwei Monate leben“, soll Mark Twain einmal gesagt haben. Manchmal brauchen wir einfach ein bisschen Lob und Anerkennung für die Arbeit, die wir täglich leisten – sei es als Mama, Lehrerin, Postbote oder was auch immer. Komplimente können das Benzin sein, das unseren Motor am Laufen hält – uns motiviert, trotz vieler Widrigkeiten weiterzumachen. Es signalisiert: Hey, ich sehe dich und was du alles tust.
Ich spiele zum Beispiel manchmal mit dem Gedanken, diesen Blog aufzugeben, weil es viel Zeit und Mühe neben meiner therapeutischen Arbeit kostet. Wenn mich dann aber Mails mit lieben Komplimenten erreichen, gibt mir das die Kraft weiterzumachen. Und so versuche auch ich, so viele Komplimente wie möglich im Alltag zu verschenken. Kürzlich war es die Kassiererin im Lidl, die trotz Stress und nerviger Kundschaft IMMER superfreundlich ist, der Pfarrer auf einer Beerdigung, dem ich für seine wunderschönen, tröstenden Worte gedankt habe und der Straßenmusiker, der mich mit seiner Musik sehr berührt hat. Manchmal setzen solche Komplimente in Menschen ungeahnte Kräfte frei.

 

 

Welche 2 Eigenschaften ein Kompliment haben muss

 

Auf den Webseiten von Flirtexperten findet man viele Tipps für das perfekte Kompliment. Ich glaube, jedes Kompliment ist perfekt, wenn es diese zwei Dinge erfüllt.

 

Ein Kompliment …

  • … muss ehrlich sein: Oft haben wir Angst, dass Komplimente als schleimig empfunden werden könnten. Wenn ein Kompliment spontan direkt aus dem Herzen hüpft, wird das nicht passieren. Wenn wir in dem Augenblick tatsächlich fühlen, was wir sagen, wird der andere merken, dass wir es ehrlich meinen. Wir geben ihm das Gefühl, dass er in unseren Augen etwas Besonderes ist. Und das macht ihn und uns glücklich.
  • … darf keine bestimmte Absicht verfolgen: Plumpe Anmachsprüche in der Disco oder in Flirt-Chats nerven, weil klar ist: Der will mich nur ins Bett kriegen. Ähnlich ist es mit übertriebenen Komplimenten für den Chef, wenn damit der Aufstieg auf der Karriereleiter beabsichtigt wird. Wenn wir Komplimente als strategische Waffen einsetzen, damit jemand uns mag oder weil wir dafür etwas haben wollen, kann das leicht nach hinten losgehen. Halten wir es also am besten wie Oscar Wilde, der meinte: „Komplimente sind wie Parfüm. Sie dürfen duften, aber nie aufdringlich werden.“

 

Wie man Komplimente verteilt

 

Es gibt jeden Tag unzählige Chancen, ein Kompliment zu verschenken. Aber natürlich nur, wenn wir auch den Pralinen-Detektor aktiviert haben, sprich: Offen sind, Positives an anderen Menschen zu entdecken.

 

Hier ein paar Tipps:

 

  • Beginne am besten gleich heute damit, in deiner Umgebung bewusst wahrzunehmen, wen du mit einem Kompliment erfreuen oder loben könntest. Und dann trau dich einfach, es auszusprechen. Je öfter du Komplimente machst, desto leichter wird es dir über die Lippen gehen und desto selbstverständlicher wirst du sie in deinen Alltag einbauen.
  • Komplimente sind nicht nur was für das andere Geschlecht. Frauen und Männer können sich auch untereinander Komplimente machen. Mir fällt eine junge Kanadierin ein, die ich einmal in Vancouver kennengelernt habe. Wenn wir am Wochenende auf Partys waren, war es für sie selbstverständlich, anderen Mädchen Komplimente für deren Aussehen zu machen. Das sei in Kanada ganz normal, meinte sie.
  • Nicht immer müssen wir etwas Bestimmtes an einem Menschen loben. Es reicht auch eine schmeichelhafte Bezeichnung. Wir könnten die nette Bäckereiverkäuferin zum Beispiel einfach mal „unsere Brötchenfee“ nennen oder den Paketlieferanten „Glücksbote“.

 

Wie man ein Kompliment stilvoll annimmt

 

Zu einem gelungenen Kompliment gehören immer zwei: Einer, der es macht, und einer, der es annimmt. Stell dir vor, du willst einem lieben Menschen eine Freude machen. Du machst dir Gedanken, ziehst los und findest ein tolles Geschenk. Zuhause packst du es mit Schleifchen ein und willst es dem Anderen voller Freude überreichen, aber der sagt: „Nein danke, das kannst du behalten.“

 

Uff, ein Schlag in die Magengrube. Du bist völlig verwirrt und enttäuscht.

 

Genauso ist es, wenn wir Komplimente nicht annehmen, die andere uns schenken wollen.

 

Wir weisen Komplimente oft zurück, weil wir

 

  • Angst haben, arrogant zu wirken
  • einen so geringen Selbstwert haben, dass wir einfach nicht glauben können, dass das Kompliment ernst gemeint war
  • weil wir an den ehrlichen Motiven des anderen zweifeln
  • etc.

 

Dann tun wir so, als hätten wir das Kompliment gar nicht gehört, spielen es herunter oder knallen sofort ein Gegen-Kompliment raus.

 

Dabei bräuchte es nur ein Wort:

 

Danke.

 

So einfach und stilvoll kann man ein Kompliment annehmen.

 

Wer will, kann das „Danke“ ja noch erweitern: „Freut mich sehr, dass es dir gefällt“, „Das tut total gut zu hören“, „Deine Worte bedeuten mir viel“, „Freut mich, dass ich dir helfen konnte“.

 

 

Challenge #9

„Ein Kompliment ist die charmante Vergrößerung einer kleinen Wahrheit“,

soll Johannes Heesters mal gesagt haben. Also: Lasst uns uns auf die Suche nach den kleinen Wahrheiten machen und in den nächsten Wochen so viele ehrliche und euphorisierende Pralinen wie möglich verschenken!

 

Ich mache gern den Anfang:

Du bist wundervoll. Du machst einen großartigen Job und du bist wichtig. Schön, dass es dich gibt!

Wenn du das Kompliment annehmen willst, dann antworte gerne in den Kommentaren! 😊

 

Deine

 

Stephanie

 

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2 Antworten zu “Challenge #9”

  1. Heike sagt:

    Ach Stephanie, durch Dich wird die Welt um so viel besser! Danke für diesen großartigen Newsletter, ich werde jetzt auch viele -ehrliche- Pralinen verteilen. Das stimmt schon, mit dem Kompliment annehmen ist es gar nicht so einfach- da kann ich noch üben………….dass ich es nicht gleich herunterspiele.
    Jedenfalls vielen Dank für das Kompliment und es ist ebenfalls sooo schön, dass es DICH gibt……. Dich und deine wundervollen Ideen, mehr Licht und Liebe in die Welt zu bringen.

    • Stephanie Roschanski sagt:

      Wow, was für ein schönes Kompliment von dir, liebe Heike! Danke dir von Herzen!!! Da strahlt die Herbstsonne heute doch gleich noch ein bisschen heller. 🙂 Ich danke dir sehr fürs Lesen und deine so lieben Worte!